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Respekt

Wer möchte nicht als Gast, als Kunde, als Patient und auch generell respektvoll behandelt werden? Was empfinden wir als respektvoll? Wenn wir gegrüßt werden, wenn wir mit dem Namen angesprochen werden, wenn uns jemand wirklich zuhört. Es ist das ganze Spektrum von Höflichkeit, Rücksichtnahme, Wertschätzung und Aufmerksamkeit gegenüber Menschen, Lebewesen, aber auch gegenüber Ideen, Institutionen und Dingen. So fordert der Hl. Benedikt beispielsweise vom Cellerar, dem wirtschaftlichen Leiter des Klosters, er möge alle Gegenstände im Kloster wie heiliges Altargerät behandeln.

Respekt berührt die Würde des Menschen. Respektlosigkeit verletzt uns. Manchmal haben wir die Macht uns zu wehren, wir kaufen einfach dort nicht mehr ein, wo wir unhöflich behandelt wurden. Manchmal müssen wir das einfach über uns ergehen lassen. Wir können zurückmelden, dass wir etwas als despektierlich erlebt haben. Wie das aufgenommen wird, können wir aber nicht beeinflussen.

Eine besondere und leider weit verbreitete Form der Respektlosigkeit ist das Herziehen über Abwesende. Bei meinen Kunden achte ich sehr darauf, wie über Abwesende gesprochen wird. Darin zeigt sich Betriebsklima und Unternehmenskultur.

Bei Politikern erleben wir, dass es geradezu schick ist, über andere herzuziehen. Das ist eine sehr primitive Form sich selbst als großartig darzustellen, indem man andere abwertet. Man kann sich fragen, wozu brauchen die das.

Respekt ist in erster Linie eine Frage der Geisteshaltung. Wie denke ich über den anderen, über mein Gegenüber, auch über die Natur und die Erde? Halte ich mich für etwas Besseres?

Im Respekt schauen wir auf die Bedeutung und den Wert des Gegenübers und nehmen Rücksicht auf dessen Belange. Wir können lernen, unsere Gedanken und vor allem unsere Bewertungen und Abwertungen zu durchschauen und zu verändern.

Natürlich ist es legitim sich zu schützen oder dem anderen mitzuteilen, wie ich sein Verhalten erlebe. Wenn das mit Respekt geschieht, kann der andere das leichter annehmen. Der Hl. Benedikt hat das in seiner „Regel“, die das Zusammenleben der Benediktiner seit 1500 Jahren regelt, wunderbar auf den Punkt gebracht: „Der Abt hasse die Fehler und liebe die Brüder.“
In der Liebe gibt es keine Respektlosigkeit.

Dramatisch erweist sich unsere Respektlosigkeit gegenüber der Natur, der Erde. Das Abholzen und Abbrennen der Regenwälder, Ressourcenvernichtung, Meeresverschmutzung, die Liste der Zerstörungen unserer Lebensgrundlagen ist unerträglich endlos. Hier zeigt sich die Überheblichkeit und gleichzeitig die Dummheit unserer Spezies überdeutlich. Wann lernen wir zu verstehen, dass wir Teil der Natur und nicht Herr über die Natur sind?

Praxis-Tipp

  1. Beobachten Sie, wie Sie gerade behandelt worden sind, wenn Sie sich mit jemanden unterhalten oder in einer Situation wohl fühlen. Entdecken Sie dabei unterschiedliche Formen des Respekts und wenden Sie diese dann bei nächster Gelegenheit selbst an.

  2. Beobachten Sie sich selbst, wie Sie über andere reden. Ist das respektvoll? Üben Sie sich darin über Abwesende so zu sprechen, als ob diese anwesend sind. Das darf durchaus auch kritisch sein, aber seien Sie dann auch bereit es direkt dem Betroffenen genauso zu sagen.

  3. Wenn Sie zuerst etwas Freundliches oder Liebevolles sagen, wird es dem anderen gut gehen. Etwas Kritisches danach kann leichter angenommen werden. Ein „Wunsch“ oder ein „Hinweis“ auf etwas Kritisches ist eine gute Formulierung, die eine tatsächliche Verhaltensänderung auslösen kann.

  4. Ein respektvoller Umgang mit den Gütern dieser Welt, ob von Menschen erschaffen oder von der Natur geschenkt, zeigt sich im achtsamen Umgang, im Pflegen und Hegen der uns anvertrauten Schätze. Eine nie endende Lebensaufgabe.

  5. Ein respektvoller Umgang mit den Gütern dieser Welt, ob von Menschen erschaffen oder von der Natur geschenkt, zeigt sich im achtsamen Umgang, im Pflegen und Hegen der uns anvertrauten Schätze. Eine nie endende Lebensaufgabe.

  6. Beim Respekt gilt das alte spirituelle Prinzip: Verschenke, was du bekommen möchtest. Gehen Sie respektvoll mit anderen und mit allem um, dann wird es mit Zins und Zinseszins zu Ihnen zurückkommen.

Das ist mir für Sie eingefallen

Vermehre stetig Gutes, Schönes,
                                                           dann bleibt kein Platz für Dunkles, Böses.


Für sie gelesen

Ken Mogi, IKIGAI,  dumont-buchverlag

Der Hirnforscher Ken Mogi ist den Ursachen nachgegangen für das relativ lange Leben von Japanern gegenüber anderen Industrienationen. Viele Japaner leben nach einem, im Alltag tief verwurzelten, Lebensprinzip, Ikigai. Der Begriff bedeutet ungefähr, „wofür es sich lohnt zu leben“. Sie haben für sich eine Aufgabe, eine Herausforderung gefunden, die ihrem Leben tiefen Sinn verleiht. Mit vielen Beispielen ist das kleine Buch sehr anschaulich und spannend geschrieben. Sehr lesenswert.

Ihr Friedrich Assländer