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Die Ereignisse im Außen geschehen weitestgehend ohne unser Zutun. Es ist so! Ich kann es nicht ändern. Aber, wie ich darüber denke und wie lange ich darüber nachdenke, ist meine Entscheidung. Die Fähigkeit meine Gedanken und damit auch meine Gefühle zu kontrollieren und zu steuern ist lernbar und wird zunehmend zur Schlüsselkompetenz.

Wir können fragen: Was kann ich für den Frieden tun? Und wie kann ich für mich und für Nahestehende gut sorgen? Auf diese beiden Fragen habe ich Antworten.

Es ist entscheidend, dass wir für uns eine geistige Klarheit schaffen, die durch einen bewussten und kritischen Umgang mit Informationen entsteht. Wie und wo informiere ich mich? Wir selbst entscheiden täglich, schaue ich mir die Schreckensbilder im Fernsehen oder im Internet an und bin dann beunruhigt und voller Angst und gehe damit ins Bett.- Oder hole ich mir sachliche Informationen in wenigen Minuten im Radio oder aus einer Zeitung. Bilder werden im Bewusstsein viel tiefer verankert als verbale Informationen und sie lösen direkt Gefühle aus, die eine logische Verarbeitung meist verhindern.

Kritisches Denken braucht sachliche Informationen, die wir überdenken können. Bitte denke über folgendes nach – vielleicht hast du das schon gemacht – In den Medien heißt es: „Die Russen haben die Ukraine überfallen“ oder „Die Russen zerstören Wohngebäude und töten Zivilisten“, was mit vielen Bildern belegt wird. Beide Behauptungen sind falsch. Richtig ist: Putin hat diesen Krieg angeordnet. „Die Russen“, d.h. fast alle Menschen in Russland wollen keinen Krieg. Der Widerstand in der Bevölkerung ist enorm hoch trotz harter Repressionen. Die Soldaten wollen auch keinen Krieg. Da gibt es aber Befehle und Zwänge, für viele eine fatale Situation.

Wenn wir differenziert denken, dann entsteht eine seelische Brücke zu den vielen gleichgesinnten Menschen und ein Mitgefühl mit den Leidtragenden auf beiden Seiten. Durch diese Art zu denken und zu reden entsteht ein anderes „Wir“. Wir sehen die vielen Menschen, auch in Russland, die alle das Gleiche wollen, Friede, Glück und Sicherheit, und wir fühlen uns mit ihnen verbunden.

Das alte Schema „Wir-Deutsche“ „Wir Gutmenschen“ und „Ihr Russen“ und „die Soldaten“ wird aufgelöst und damit auch die damit verbundenen Feindbilder. Es gibt dann auch kein Bedürfnis nach Vergeltung und Bestrafung „der bösen Russen“. Wir können uns nun innerlich mit liebevollen Gedanken und tiefem Mitgefühl mit allen Leidtragenden verbinden. Das ist ein tatsächlicher und effektiver Beitrag zum Frieden. Damit wird Putin nicht gestoppt, zumindest nicht direkt. Aber Hass, Wut und Rachefantasien entmachten die Despoten auch nicht.

Dieses differenzierte und heilsame Denken ist nur möglich, wenn das Bewusstsein nicht bereits von Bildern mit entsprechenden negativen Gefühlen überflutet ist. Die Nachrichten im Fernsehen und viele „Berichte“ sind psychische Vergiftung. Medienverzicht ist keine neue Erfindung, wird aber immer wesentlicher für unseren inneren Frieden. Ich habe vor 20 Jahren meinen Fernseher abgeschafft. Psychologen empfehlen und begründen sehr eindringlich, dass Kinder in der letzten halben Stunde vor dem Schlafengehen nicht mehr auf irgendeinen Bildschirm schauen sollten.

Es gibt viele Menschen, die sich „gesund ernähren“, ihrem Körper gute Nahrung zuführen. Das können und müssen wir auch mit dem Geist tun, wenn wir seelisch gesund bleiben wollen. Liebevolle Gedanken, der Blick auf das Schöne und Gute nährt uns. Ich verleugne keineswegs den Krieg und die Schrecken in der Welt. Ich weiß, dass ich etwas tun kann und tun muss. Jedoch Angst lähmt und nur angstfrei können wir klar denken und kreativ überlegen, was wir tun können.

Der griechische Philosoph Epiktet sagte bereits vor 2000 Jahren: „Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern unsere Gedanken über die Dinge.“

Unsere Gefühle, auch unsere Ängste, sind die direkte Folge von Gedanken und Bewertungen. Während Bilder direkt Gefühle auslösen, können wir über sachliche Informationen nachdenken. Unsere Bewertungen, wie gut – böse, oder schön – hässlich erfolgen meistens automatisch und gewohnheitsmäßig.

Diese Automatismen können und sollten wir immer wieder unterbrechen, in dem wir unser Denken anhalten: Stopp! Was beschäftigt mich gerade? Ich entscheide dann selbst, will ich mich mit diesen Gedanken weiter beschäftigen oder ist etwas anderes sinnvoller und heilsamer. Das ist ein wirksames mentales Training, wie es Spitzensportler kennen und wie es Meditierende einüben.

Statt auf Schreckensnachrichten, Ängste oder Sorgen kann ich auf das Schöne in mir und um mich herumschauen und mich darüber freuen. Das funktioniert wirklich. Wir müssen es nur wollen und tun und trainieren. Unsere Ängste helfen niemanden und schwächen vor allem uns selbst. Liebendes Mitgefühl, auch das Beten für die Leidtragenden erzeugt ein positives Klima, das wir so in die Welt tragen.

Praxis-Tipps

  1. Wir können unser Gedanken von Wut, Rache, Angst umleiten in ein Mitgefühl für die Opfer auf beiden Seiten, indem wir ihnen liebevolle Gedanken senden oder für sie beten. Dann können wir danken für die Sicherheit und den Wohlstand, den wir haben.

  2. Aus der eigenen Angst steigen wir aus, in dem wir den Blick auf das Jetzt und Hier lenken. JETZT ist hier alles gut. Gedanken an das, was morgen passieren könnte, sind Spekulation. Die Frage, was kann ich jetzt Gutes tun, führt uns in die Gegenwart.

  3. Innere Unruhe und Ängste lassen sich „wegklopfen“. Aus der Traumatherapie kommt das »diagonale Klopfen«: An einem ungestörten Ort aufrecht hinsetzen und das unangenehme Gefühl fokussieren. Die Arme vor der Brust kreuzen und mit der flachen Hand abwechselnd links und rechts auf die jeweils gegenüberliegende Schulter klatschen, linke Hand die rechte Schulter und umgekehrt. In einem gleichbleibenden Rhythmus, mit ungefähr 2-3 Schlägen pro Sekunde, mehrere Minuten langklopfen. Dann innehalten und beobachten, was sich bei dem Gefühl geändert hat. Bei starken Gefühlen kann man das mehrmals wiederholen.

  4. Das habe ich schon einmal empfohlen. Wenn ich inneren Frieden und Zuversicht tanken möchte, höre ich mir immer wieder das Tryambakam Mantraanan an, gesungen vom Dalai Lama. Hier zum Mantra klicken. Im Internet finden sich mehrere Aufnahmen.
  5. Rachegefühle, Bestrafungsideen, Verurteilungen etc. befriedigen kurzfristig unser Gerechtigkeitsempfinden. Real bringen sie aber nur neue Gewalt in die Welt, zuerst geistig als Gedanke und irgendwann als Worte und Taten. Wir sollten sie durch liebevolle und friedliche Gedanken ersetzen.

    In meinem letzten Wegweiser Nr. 61 finden Sie dazu weitere Infos.


Dazu ist mir für Sie eingefallen

Wenn du die Welt verbessern willst,
am besten du bei dir beginnst.

Für Sie gelesen

Thomas Hübl , Kollektives Trauma heilen.

Der Friedensaktivist Thomas Hübl sieht als Kriegs- und Konfliktursache die nicht aufgelösten kollektiven Traumas bei Volksgruppen und Staaten. Jeder Psychotherapeut weiß, wie Individuum innerlich blockiert sind durch seelische Verletzungen aus dem eigenen Leben, aber auch durch übernommene Trauma von unseren Vorfahren. Hübl beschreibt in seinem Buch wie auch Gruppen und Völker durch gemeinsame Traumaerfahrung dazu tendieren, Schreckliches zu wiederholen, wenn diese Wunden nicht geheilt werden. Er ist weltweit unterwegs mit Vorträgen und Initiativen und zeigt wie wir aus diesem Teufelskreis herauskommen können.

Ihr Friedrich Assländer


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